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Historische Aktion

Bildnachweis Kupferstich von Heinrich Aldegreve (1549) Pauperitas, Ort: The British Museum

extramural e.V. - Verein zur internationalen Bildung gegen soziale Ausgrenzung 

lädt ein zu Freitags-Veranstaltungen von März bis Mai ins

HAUS DER DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE

GREIFSWALDER STRASSE 4
Haltestelle der Tram 4 „Am Friedrichshain“

Historische Ursachen und Kontinuitäten der Stigmatisierung sozial Benachteiligter

Der Verein extramural e. V. beschäftigt sich seit Jahren mit den so genannten Asozialen im deutschen Faschismus. Wir haben uns der Frage gestellt, welche Vorläufer das Handeln der Faschisten gegen soziale "Außenseiter" hatte. Wir fanden Kontinuitätslinien für die Vorbehalte vor allem gegen sozial Benachteiligte, die bis in das europäische Mittelalter zurückreichen. Während der Formung des Arbeitsethos in der Auseinandersetzung zwischen Arbeitenden und nicht arbeitenden Armen führten sie im Zuge der Industrialisierung zur Entstehung der Arbeitshäuser bis hin zum deutschen Strafrecht im preußischen Kaiserreich. Mit Hilfe solcher staatlicher Reglementierungen entstanden Stereotype und Klischées, die bis heute überwiegend einkommensarme Menschen stigmatisieren und ausgrenzen. Vor allem sie werden wegen ihrer sozialen Stellung, dem mangelhaften Zugang zu Bildung oder Ressourcen, wie dem "sozialen Kapital" mit Schmähungen, Unterstellungen und Zuschreibungen überzogen. An Beispielen aus der Geschichte der Armenfürsorge und der Stigmata im Faschismus wollen wir Antworten nach den Wurzeln und sozialökonomischen Entwicklungen suchen, die zu Überlieferungen und Kontinuitäten von Stigmata wie z. B. „Arbeitslose sind faul“, „Arbeitslose sind per sé kriminell“, „echte Arbeitslose“ und „faule Bettler“führten. 

Die Vorträge untersuchen neben den Anlässen und Ursachen der Entstehung der Stigmata auch die Gründe für ihre Überlieferungen, Verstärkungen, ihre Nachhaltigkeit sowie ihre heutige Wirkmächtigkeit. Gegenstand sind historische Darstellungen der Formung und Verfestigung der Stigma, ihre Definitionen, die Konstruktionen von Stereotypen und Klischées sowie deren Clusterung. Ziel ist die Vermittlung von und die Auseinandersetzung mit sozialen Zuständen, Zuschreibungen und den daraus resultierenden Handlungen bis hin zur strukturellen Gewalt. 
Wir finden diese Veranstaltungen wichtig, weil in der Wirtschaftskrise zunehmend kranke, alte, behinderte und erwerbslose Menschen mit immer schmaler werdenden Sozialleistungen und öffentlichen Diffamierungen sozialrassistisch gedemütigt werden. Die Stigmatisierung von nicht Erwerbstätigen und nicht Erwerbsfähigen unterstützt als mediale Begleitmusik neoliberale Entwicklungen der Privatisierung und Deregulierung in der öffentlichen und sozialen Infrastruktur zu Gunsten von transnationalen Konzernen und Banken und zu Lasten sozial erforderlicher Prioritäten.

 

Die Veranstaltungen:

Die KZ-Einweisung von „Asozialen“ und „Berufsverbrechern“ im Nationalsozialismus, Rechtsgrundlagen und Verfolgungskategorien

Freitag, den 14.3.2014, um 19:00 Uhr

Ein Referat von Julia Hörath

Die Verfolgung von „Asozialen“ und „Berufsverbrechern“ erfolgte in mehreren Phasen. Dies wird anhand der Rechtsgrundlagen der Einweisung von „Asozialen“ und „Berufsverbrechern“ in die Konzentrationslager erklärt. Dabei wird das Schwergewicht auf die Kriterien gelegt, anhand derer die Zielgruppen definiert wurden. Was bedeutete in diesem Zusammenhang „Vorbeugungshaft“ und „Sicherungsverwahrung“? Und wen meinte man mit der Bezeichnung „Gewohnheitsverbrecher“? An Hand von Fallbeispielen wird dargestellt, wie die in Gesetzen und Erlassen formulierten Haftkriterien in die Praxis umgesetzt und dabei die Kategorien „Berufsverbrecher“, „Gewohnheitsverbrecher“, „Asoziale“ und „Arbeitsscheue“ konstruiert wurden.

Gefangene im Zentralgefängnis Cottbus von 1933 bis 1945 erst für Jugendliche, dann Frauenzuchthaus

Freitag, den 28.3.2014, um 19:00 Uhr

Ein Vortrag von Bernhard Bremberger

Der Fokus richtet sich einerseits auf die Gefangenenarbeit und die Rüstungsproduktion, andererseits auf die besondere Behandlung einzelner Gefangenengruppen. Ein besonderes Augenmerk wird auf „Marginalisierte“ gelegt. Was hatten sie innerhalb der Haft zu erwarten? Was geschah ihnen nach Abbüßung der Strafe?

Historische Wurzeln der Stigmatisierung Armer seit dem Mittelalter

Freitag, den 4.4.2014, um 19:00 Uhr

Ein Vortrag von Anne Allex

Schon immer waren nicht alle Menschen zum Arbeiten in der Lage. Aus den historischen Überlieferungen von ökonomischen, sozialen und religiösen Verhältnissen seit dem Mittelalter ist Armut bekannt. Sie erscheint in Form von BettlerInnen, Landarmen und als Abhängigkeit von Auftraggebern. Wie haben Arme ihr Leben organisiert? Wie wurde das von Besitzenden ideologisch reflektiert? Wie sind die Stigmata gegen soziale Benachteiligte bis hin zur Formung des Arbeitsethos entstanden?

Foto von Anne Allex (2009): Schemen hinter verschlossenen Türen

Festigung der Stigmata gegen sozial Benachteiligte im Zuge der Industrialisierung

Freitag, den 25.04.2014, 19:00 Uhr

Ein Vortrag von Anne Allex

Karl Marx illustrierte an Beispielen u. a. der Webereien und der Nadelmanufaktur die Entwicklung der Produktivkräfte und der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die zur Entstehung der industriellen Betriebsweise führte. Die Produktivkraftentwicklung sog immer mehr Arbeitskräfte in den Produktionsprozess auf. Was wurde unter Armenfürsorge verstanden? Welche Rolle spielten die Arbeitshäuser in Deutschland? Wie verfestigte sich dabei die Stigmatisierung gegen Erwerbslose?

Stigmatisierung sozial Benachteiligter im Recht, im Verwaltungshandeln und in den Medien in der DDR und der BRD

Freitag, den 16.05.2014, 19:00 Uhr
 
Vorträge von Anne Seeck und der Initiative Gedenkort Uckermark

Kontinuitäten der Stigmatisierung – DDR/ BRD bis heute

Nach 1945 wurden als „asozial“ Stigmatisierte nicht als Verfolgte im deutschen Faschismus anerkannt. Diese Entscheidung im Sommer 1946 schlug sich auch in Ansichten und Gesetzen in beiden deutschen Staaten und in der Ausgrenzung nicht genehmer Personenkreise bis heute nieder.

Wirkmächtigkeit und Nachhaltigkeit des Stigmas „asozial“ nach 1945

Am Beispiel des Umgangs mit einer Person, deren Verinnerlichung des Stigmas und deren Leidensweg wird die Allmächtigkeit des Stigmas erläutert.

Veranstalter: extramural e.V.
Konzeption / Organisation: Anne Allex
Flyer-Desgin: Götz Renger
Förderer: Aktion Mensch e.V.
www.anne-allex.de

Flyer zum Herunterladen Teil 1

Flyer zum Herunterladen Teil 2


Fotoausstellung „Überflüssige Menschen“

19. April 2013 - 14. Mai 2013

Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert-Havemann-Saal

Die Ausstellung präsentiert Fotos des Arbeiterfotografen Walter Ballhause. Die Fotos von Arbeitslosen, wie sie umgangssprachlich genannt werden, wurden zwischen 1928 und 1934 in Hannover aufgenommen. Erst in den 1970er Jahren wurden sie wieder entdeckt. Viele Fotos erschienen im Bildband „Überflüssige Menschen“ mit dem Untertitel „Fotografien und Gedichte aus der Zeit der großen Krise“. Der Fotograf hatte ihn gemeinsam mit Johannes R. Becher im Jahr 1981 in Leipzig beim Verlag Phillipp Reclam jun. herausgegeben.

Im Jahr 2011 jährte sich der hundertste Geburtstag von Walter Ballhause. Aus diesem Anlass entwickelte der Bundesverband Arbeiterfotografie, das Forum für Engagierte Fotografie im Jahr 2012 die Ausstellung „Der unsichtbare Fotograf“ und gab eine gleichnamige Broschüre heraus. Die hier präsentierten Fotografien sind eine Leihgabe der Galerie Arbeiterfotografie aus der aktuellen Ausstellung.

Anliegen der Ausstellung ist die Darstellung Erwerbsloser aus dem Blickwinkel eines Arbeiters. Er wusste um deren soziale Situation und stellt sie solidarisch dar. Walter Ballhause zeigt in seinen Fotos sein Bewusstsein einer gemeinsamen Klassenlage von Erwerbstätigen und Erwerbslosen. Er nahm Aspekte der traditionellen Arbeiterkultur auf.

 

Die Ausstellung soll an die Ursachen der „Arbeitslosigkeit“ und den Umgang der deutschen Faschisten mit Erwerbslosen erinnern. Die Ausstellung und die Veranstaltungen sind der Versuch eines solidarischen Erinnerns und Gedenkens an diejenigen, die wegen Erwerbslosigkeit und Bezug von Sozialtransfers stigmatisiert und verfolgt wurden.

Freitag, den 19. April 2013, 20:00 Uhr

Ausstellungseröffnung
Zu Walter Ballhause und seinen Fotografien
Gabriele Senft (Fotojournalistin), Anne Allex
anschließend: Kleines Buffet

Walter Ballhause hat die Arbeitslosigkeit in Hannover zwischen 1928 und 1934 fotografiert. Dazu benutzte er eine geliehene Laika. Den Nationalsozialisten hat es nicht gepasst, dass er auch knipste, wie ein SA - Trupp das örtliche Gewerkschaftshaus stürmte und die führenden Gewerkschafter mitnahm. Über sein Leben und Wirken berichtet Gabriele Senft. Ballhauses Fotografien manifestieren das Zusammenwirken erwerbstätiger und erwerbsloser ArbeiterInnen bei Sport, Spiel, Kinderferien und Erholung. Zum Blickwinkel und Inhalten seiner Fotos spricht Anne Allex.

Freitag, den 26. April 2013, 20:00 Uhr

Buchvorstellung und Lesung
Erwerbslose im deutschen Faschismus
Wegen Vorbehalten, Denunziationen, Protesten in Zwangsarbeit und Haft
Es lesen: Anne Allex, D. Dorn, Christine Kahlau, Harald Rein, Götz Renger

Erwerbslose sind in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung selten als handelnde Subjekte dargestellt. Bis heute wird gern über ihre Proteste geschwiegen. Dennoch gab es ab 1933 Proteste und Widerstand von Erwerbslosen gegen die Zumutungen der Wohlfahrtsämter. Dazu liest Harald Rein aus seinem Buch „1982 – 2012 Dreißig Jahre Erwerbslosenproteste“. Im Anschluß werden Texte zu Anliegen von Wohlfahrtsempfängern an die Ämter und zu deren Antworten vorgetragen. Die Lesung soll zeigen, wer diese Erwerbslosen waren, mit welchen Mitteln und Methoden die Ämter gegen sie vorgingen und wie sie öffentlich stigmatisiert wurden.

Freitag, den 3. Mai 2013, 20:00 Uhr

Gespräch
Gedenkort für sogenannte Asoziale im deutschen Faschismus – Anspruch, Wirklichkeit, neue Erkenntnisse beim Runden Tisch in Lichtenberg
Anne Allex spricht mit Lothar Eberhardt, Dirk Stegemann - Arbeitskreis „Marginalisierte - gestern und heute!“
anschließend: Film „Arbeitsscheu - abnormal - asozial“ (25 min)

Der Arbeitskreis „Marginalisierte - gestern und heute!“ fordert seit 2008 die Schaffung eines Gedenkortes, in deren Mittelpunkt die so genannten Asozialen im deutschen Faschismus stehen. Seit 2012 hat die Bezirksverwaltung Berlin - Lichtenberg mit der Arbeit des Gedenkens und Erinnerns in den ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäusern begonnen. Auch der o. a. Gruppe soll gedacht werden. Die kontroversen Vorstellungen und Herangehen an das Gedenken in Rummelsburg und die neuen Erkenntnisse des Arbeitskreises sind Gegenstand der Veranstaltung.

Dienstag, den 14. Mai 2013, 20:00 Uhr

Vorträge
Ursachen und Kontinuitäten der Stigmatisierung von Erwerbslosen im Spiegel der Geschichte
Wurzeln der Vorurteile gegen Erwerbslose - Anne Allex
Kontinuitäten der Stigmata Erwerbsloser seit 1949 - Anne Seeck

Vorurteile gegen Erwerbslose gibt es, seitdem wir denken können. Es erscheint, als ob sie – egal in welcher Gesellschaft – immer wieder neu aufgewärmt werden. Wie diese Vorurteile entstanden und warum sie weiter transportiert wurden, untersucht Anne Allex für das Mittelalter und die Neuzeit. Welche Kontinuitäten und Ähnlichkeiten der Stigmata von Erwerbslosen nach dem 2. Weltkrieg in beiden deutschen Staaten bis heute weiter wirken und welche Ursachen dies hat, darüber berichtet Anne Seeck.

Lieder zum Thema: von und mit dem Liedermacher Bert Kartesas

Unterstützer: Stiftung „Haus der Demokratie und Menschenrechte“, Arbeiterfotografie Bundesverband. Das Forum für engagierte Fotografie

Förderung: Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt

Öffentlichkeitsarbeit: Götz Renger, extramural e.V.

Veranstalterin: Anne Allex, Sozialpolitische Wegeweiserin

Adresse: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Anfahrt:  Alexanderplatz, TRAM 4, S-Bahn Ring Greifswalder Straße,  TRAM 4

Foto: Walter Ballhause, Titel: Hannover, 1930 -33, „Asbach-Uralt und die Scheinwahrheit“ - Trostsuchende (Alkohol …), Copyright: Walter-Ballhause-Archiv


Ausstellung

Unrecht an Kindern und Jugendlichen im deutschen Faschismus

verfolgt - deportiert - widerständig - elternlos - versteckt

Flyer zum Herunterladen  |  Dankschreiben

Eröffnung: 6. Mai 2012, 15:00 Uhr Robert - Havemann - Saal
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

In der Arbeit des Arbeitskreises Marginalisierte - gestern und heute! fiel auf, dass zwischen 1933 und 1945 viele Kinder und Jugendliche Opfer von drakonischen und unmenschlichen Aktionen der deutschen Faschisten wurden.

Einschneidende Stationen waren die Nürnberger Rassegesetze, das Erbgesundheitsgesetz, die Gesetze zur Verfolgung gefährlicher Gewohnheitsverbrecher und zur Inhaftnahme wegen Bettelei und Landstreicherei, die Verschärfung des Paragraphen 175 StGB und andere verbrecherische Gesetze. Sie sollten dem grausamen Vorgehen gegen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen einschließlich der Kinder und Jugendlichen den Schein von Legitimität verleihen.

Kinder und Jugendliche erfuhren Verfolgung, Inhaftierung, Folter, Zwangsarbeit, Verurteilungen und wurden in die Illegalität getrieben. Sie wurden in Anstalten gesperrt und mussten ohne Eltern und Bildungsangebote aufwachsen. Viele wurden nie als Opfer des Faschismus anerkannt. Darunter die, welche sich verstecken konnten, sogenannte Asoziale, Homosexuelle, Zwangssterilisierte, Kinder ermordeter Widerstandskämpfer und Kinder, welche in den Zuchtanstalten des NS Lebensborns aufwachsen mussten.

In antifaschistischen Kreisen kamen einige Opfer erst in den späteren Jahren in das Blickfeld der Erinnerungsarbeit. Die Konzentration auf Opfergruppen und Gruppen des antifaschistischen Widerstandes folgte anfänglich dem Wunsch gerechte Entschädigungsleistungen zu gewähren. Das Problem war aber, dass die Nazis derart absurd vielen Menschen nach dem Leben trachteten, das das gruppenspezifische Gedenken immer auch Gefahr lief, etwas unerwähnt zu lassen. Noch heute können die Mordaktivitäten kaum in Worte gefasst werden.

Da offensichtlich rechte nationalistische Kreise das gesellschaftliche Klima bestimmen und die Mehrheit der Gesellschaft sich dies gefallen lässt, gibt es noch heute "vergessener" Opfergruppen. Dass und warum es in dieser Frage Handlungsbedarf gibt, dazu wollen wir uns verständigen.

Die Freiburger Ausstellung zum Lager Gurs und zum "Nazi-Terror gegen Jugendliche" hatte die Frage der "ergessenen Opfer" bereits 2007 in beeindruckender Weise aufgegriffen. Schüler_innen aus acht Schulen der Freiburger Region waren den Schicksalen von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und behinderten Personen unter Federführung der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg nach gegangen. Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, vierzig Tafeln dieser Ausstellung in Berlin zu zeigen.

Ganz im Sinne dieser Aufklärung haben sich 26 Schüler_innen der Klasse 9a des Felix-Mendelssohn-Bartholdy Gymnasiums auf die Spurensuche nach Berliner Kindern und Jugendlichen gemacht, denen im deutschen Faschismus Unrecht geschah.

In der Ausstellung sehen wir von ihnen u.a Tafeln zu den nachfolgenden Themen:

  • Zeittafel zur Verfolgung jüdischer Menschen von 1933 bis 1945
  • Unbekannte Große Helden
  • Rolf Joseph - Jugend im "Dritten Reich"
  • Verfolgung Homosexueller
  • "Euthanasie" an Kindern und Jugendlichen
  • Bildung nur für den Kriegseinsatz
  • Zeitstrahl 1933-1945
  • Psychologische Folgen von Verfolgung und Verrat

Veranstaltungen

 

So, 6.5.2012, 15:00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung

Begrüßung: Ina Rathfelder, Clever e. V.
Rede: Anne Allex, Arbeitskreis Marginalisierte - gestern und heute!
Kurzvortrag: Monika Rappenecker, Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg
Gedichte: Christine Kahlau, Dichterin
Präsentation: Klasse 9a, Felix-Mendelssohn-Bartholdy Gymnasium
Grußwort: Vera Friedländer, Berliner VVN-BdA e.V.
Grußwort: Sabine Röhrbein, BVV-Vorsteherin Pankow
Lieder: Alex, Straßenmusik aus Berlin
anschließend: Führung mit Ergebnispräsentationen mit Schüler_innen und Zeitzeug_innen

Mi, 16.5.2012, 19:00 Uhr
Versteckte jüdische Kinder
Dr. Alexander Meschnig, Schüler_innen

Mi, 23.5.2012, 19:00 Uhr
Rassistisches Mordprogramm gegen Kinder und Jugendliche im deutschen Faschismus
Klaus-Peter Drechsel, Schüler_innen

So, 27.5.2012, 15:00 Uhr
Verfolgung Homosexueller von 1933 - 1945
Andreas Pretzel, Schüler_innen

Mi, 30.5.2012, 19:00 Uhr
Züge ins Leben, Züge in den Tod
Dirk Stegemann (Zug der Erinnerung Berlin)
Lisa Bechner (Kuratorin Berliner Kinderdenkmal)

Mi, 6.6.2012, 19:00 Uhr - Lesung
Zwangsarbeit: Schuhe flicken für Salamander
Vera Friedländer

Sa, 9.6.2012, 16:00 Uhr - Kundgebung
Gedenkort Rummelsburger Arbeitshäuser
Arbeitskreis Marginalisierte-gestern und heute!, Direktionsgebäude (S-Bhf. Rummelsburg.,Tram 21)

Mi,13.6.2012, 19:00 Uhr
"Unrecht an Kindern und Jugendlichen von 1933 - 1945" und "vergessene Opfer" als Herausforderung der Erinnerungspolitik
A. Allex, Arbeitskreis Marginalisierte-gestern und heute!
G. Saathoff, Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (angefragt) Zeitzeug_innen und Schüler_innen

Kooperationspartner

 

Anne-Frank-Fonds

Arbeitskreis Marginalisierte-gestern und heute!

Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen e. V.

Clever - Verein für internationale Bildung e. V.

Extramural e. V. - Verein für internationale Bildung gegen soziale Ausgrenzung

Hinkelstein-Druck sozialistische GmbH

Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg

Klasse 9a der Felix-Mendelssohn-Bartholdy Schule

Schwules Museum

Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

 

Veranstalterinnen: A. Allex, I. Rathfelder
Kontakt: info(at)anne-allex.de

Spenden für unseren Verein extramural e.V., c/o Werner Müller, Skatbank, Kto. 4559517, BLZ 83065410, Stichwort: "Kinder" sind deshalb willkommen.

     


Film- und Lesereise "Arbeitsscheu - abnormal - asozial"

In der Veranstaltungsreihe befassen wir uns mit der weitgehend "vergessenen" Gruppe der so genannten Asozialen. Als Opfer des deutschen Faschismus wurden sie zu keiner Zeit anerkannt, sondern weiter verfolgt und diskrimminiert. Gezeigt wird ein Film, der die Geschichte des damals größten Arbeitshauses in Berlin dokumentiert und die Geschichte der so genannten Asozialen thematisiert. Die Praxis der bereits in den deutschen Gründerjahren entstandenen Arbeitshäuser zeichnete sich durch Unterdrückungsmechanismen Einkommensarmer wie Stigmatisierung, Kontrolle, Verfolgung, Arbeitszwang und Inhaftierung aus.

Zwischen 1933 und 1945 wurden Menschen aufgrund von Vermutungen, Verdacht und Denunziation als "asozial" abgestempelt. Sie wurden zunächst in Arbeitshäuser verbracht, später unter der Bezeichnung "Asoziale" in Konzentrationslagern oder auch Heil-und Pflegestätten deportiert, mit Zwangsarbeit gequält bzw. umgebracht, wie im Buch Ausgesteuert - ausgegrenzt ... angeblich asozial" gezeigt wird. Da diese Verbrechen bis heute keine hinreichende Aufarbeitung fanden, greift die Zuschreibung "Asozialität" als Kategorie sozialer Ausgrenzung bis heute. In der politischen Auseinandersetzung und dem voranschreitenden Sozialkahlschlag gewinnt das Stigma "asozial" parallel zu gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen wieder an Bedeutung. Aspekte des weitgefächerten Themas betreffen Bettler und Wanderer, FürsorgeempfängerInnen, Mädchen und junge Frauen, Jugendliche, Homosexuelle, SexarbeiterInnen, Unangepasste,

Mißliebige und Widerständige und Begriffe wie "Aktion 'Arbeitsscheu Reich' ", "Sexzwangsarbeit in Lagerbordellen", "Justizaktion gegen Sicherheitsverwahrte", "Asozialität".

Mit einer Film- und Lesereise durch 10 Städte im deutschsprachigen Raum wollen wir im Kontext der Erinnerung an die so genannten Asozialen um Unterstützung für die Entstehung eines europäischen Ortes zum Erinnern und Nachdenken an die so genannten Asozialen auf dem Areal des ehemaligen Arbeitshauses an der Rummelsburger Bucht in Berlin werben. Anne Allex als eine

Herausgeberin des Buches und die Filmemacherin Andrea Behrendt werden Fragen zur Entstehung des Buchs/Films beantworten und zum Gespräch anregen.

Die Veranstalterinnen:

Anne Allex, Buchautorin (Arbeitskreis "Marginalisierte - gestern und heute!")

Andrea Behrendt, Filmemacherin (Globale Medienwerkstatt e. V.)

Das Projekt wird gefördert von der Stiftung "Menschenwürde und Arbeitswelt" und dem Verein der AG SPAK.

Reiseroute

Mo, 24.10.2011, 19:00 - 22:00 Uhr Bremen
Gesundheitsladen Bremen, Solidarische Hilfe Bremen
Kulturzentrum Paradox , Bernhardstr. 10-12, 28203 Bremen

Mi, 26.10.2011, 20:00 Uhr Bielefeld
Antifa Bielefeld

Ort: AJZ (ArbeiterjugendZentrum), Heeper Str. 132, 33607 Bielefeld
ajz-bielefeld.de

Fr, 28.10.2011, 19:00 Uhr Köln
NaturFreunde Köln e.V.

Ort: Naturfreundehaus Köln-Kalk, Kapellenstraße 9a, 51103 Köln
www.naturfreunde-koeln.de/haus_kalk/start.htm

29.10.2011, 19:00 - 22:00 Uhr, Dortmund
Naturfreunde Kreuzviertel Dortmund e. V.

Ort: Taranta Babu, Humboldtstr.44, 44137 Dortmund
www.naturfreunde-kreuzviertel.de/kontakt.html

30.10.2011, 19:00 - 22:00 Uhr Bochum
Bahnhof Langendreer/ Sozialberatung Bochum

Ort. Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 44894 Bochum
www.bahnhof-langendreer.de

21.11.2011, 20:00 Uhr Wien
Ort: Kulturzentrum Spittelberg / Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1017 Wien
www.amerlinghaus.at

23.11.2011 München

25.11.2011, 19:00 Uhr Stuttgart
Ort: Stiftung Geissstr. 7, Geissstr. 7, 70173 Stuttgart
www.geissstrasse.de

27.11.2011, 20.00 Uhr Heidelberg
Antifaschistische Initiative Heidelberg

Ort: Cafe Gegendruck, Fischergasse 2, 69117 Heidelberg
www.gegendruck.de

28.11.2011, 18:00 - 20:00 Uhr Ludwigshafen
Prof. Dr. Ariane Brennsell
Ort: FH Ludwigshafen, Maxstraße 29, 67059 Ludwigshafen
web.fh-ludwigshafen.de

29.11.2011 Freiburg
Ort; KTS Freiburg, Basler Str. 103, 79100 Freiburg
www.kts-freiburg.org

30.11.2011, 19:00 - 22:00 Uhr Basel, Schweiz
Planet 13, Klybeckstrasse 60, CH - 4057 Basel

www.planet13.ch

Film“arbeitsscheu – abnormal – asozial” – Zur Geschichte der Berliner Arbeitshäuser

Ein Film von Andrea Behrendt

Die Rummelsburger Bucht in Berlin Lichtenberg: sanierte Eigentumswohnungen, Townhouses für den anspruchvollen Geschmack. Das Gebiet in Wassernähe ist heute im baulichen Aufschwung begriffen. Genau an diesem Ort aber wurde Ende des 19. Jahrhunderts das größte Arbeitshaus Preußens für mehr als 1000 Menschen errichtet. Die Gebäude stehen noch heute, aber an ihre wechselvolle Geschichte erinnert nahezu nichts. Obdachlose, sozial Auffällige, Prostituierte, Homosexuelle und vor allem arme Menschen, die später als „Asoziale“ bezeichnet wurden saßen dort ein und mußten Zwangsarbeit verrichten. Mit dem Nationalsozialismus erreichte die Ausgrenzung der „Asozialen“ ihren Höhepunkt.

Der 30minütige Dokumentarfilm wirft einen Blick auf die vergessene Geschichte der Berliner Arbeitshäuser, schwerpunktmäßig auf das Arbeitshaus Rummelsburg. Zu Wort kommen Akteure, die etwas mit diesem Ort zu tun haben wie beispielsweise Bruno S. ein Künstler und Straßenmusiker, der schon durch Filme von Werner Herzog Berühmtheit erlangte (Kaspar Hauser) . Weiterhin werden ein Historiker, eine Pensionswirtin, die ihre Gäste im ehemaligen Arresthaus des Arbeitshauses beherbergt und eine Aktive des Arbeitskreises Marginalisierte befragt. Sie erinnern mit Gedenkveranstaltungen an die Geschichte der „Asozialen“ während des Nationalsozialismus. Fragmentarisch kommen die einzelnen Erzählungen zusammen. Die Geschichte des Ortes ist noch längst nicht umfassend erforscht. Bis in die 50er Jahre wurde das Gelände als Arbeitshaus genutzt, später während der Zeit der DDR als Gefängnis.

Der Bogen wird weit gespannt. Vom preußischen Arbeitsethos bishin zu Hartz IV thematisiert der Film welche Auswirkungen staatliche Abhängigkeit auf das Leben derer hat, die aus den Rastern eines vorherrschenden Arbeitsethos heraus fallen.

Buch und Regie: Andrea Behrendt, Kamera: Kirsten Bilz

DVD Bestellungen für 14,90 € pro DVD zuzügl. Versandkosten! (Sonderkonditionen für Einkommensschwache möglich!)

Buch

Allex . Kalkan: "Ausgesteuert...ausgegrenzt...angeblich asozial", AG SPAK Bücher, Neu-Ulm, 2009, ISBN 978-3-930-830-56-5 / 1. Auflage 2009 / 351 Seiten / 28 Euro

Im Buch werden Kontinuitäten und Brüche dieser Entwicklung bis hin zu aktuellen Erscheinungen unter den Fragestellungen "Wer ist nützlich?" und "Wer ist minderwertig?" diskutiert. Kulminationspunkt der Beiträge ist die Auseinandersetzung mit dem Wesen des Stigmas "Asozial", das im Prinzip auf diskriminierenden Zuschreibungen fußt.

Im jeweils spezifisch historischen Spannungsfeld der Sozialpolitiken und des (sozialadministrativen) Arbeitszwangs, den dazu benutzten Argumentationen und dem spezifischen Verwaltungshandeln werden unter anderem die geschlechtsspezifische Diskriminierung von Frauen und Mädchen, die Unterdrückung von Heimkindern, die Repression gegen Strafgefangene und die Verfolgung von Bettlern, "Widerständigen" und "Gemeinschaftsfremden" thematisiert.